Papa-Blog 002: Die ersten drei Monate

Ich war vom Tag der Geburt an in Elternzeit und zwar für die nächsten 12 Monate. Dies war Teil einer Abmachung zwischen mir und meiner Frau:
Wir würden nur dann jetzt schon ein Kind bekommen, wenn meine Frau nach der Geburt und dem obligatorischen Wochenbett wieder arbeiten gehen könne. Der Grund dafür war, dass sie ihr Studium gerade erst beendet und ihren ersten Job begonnen hatte. Die logische Konsequenz war: ich musste ran.

Also hatte ich mit meinem Chef und der Personalabteilung gesprochen, um die Bedingungen und Vorkehrungen für ein Jahr Elternzeit zu besprechen. Dank ihrer tollen Unterstützung war alles sehr einfach für mich: Lose Enden verknüpfen und aufarbeiten, eine Übergabe an meine zwei Stellvertreter durchführen, meine Zukunft für die Zeit nach meine Rückkehr planen. So kam ich dann also zu einem Stapel IT-Fachbücher auf meinem Schreibtisch hier Zuhause: lesen und lernen während der Elternzeit. Sollte hoffentlich machbar sein.

Die ersten acht Wochen nach der Geburt, so wussten wir schon lange, wären wir zu zweit Zuhause. Zeit die wichtig war: meine Frau sollte sich langsam wieder erholen und wir mussten uns alle aneinander gewöhnen und lernen mit den Veränderungen in unserem Leben umzugehen. Glücklicherweise wurden aus den acht Wochen drei volle Monate, da der Auftraggeber des Arbeitgebers meiner Frau über die Feiertage und den Jahreswechsel das Werk schließt. Sehr viele Mitarbeiter nehmen zusätzlich noch länger Urlaub und dadurch ist für fast einen Monat die Produktionsstadt bei Sindelfingen fast ausgestorben. In diesem Zeitraum zu arbeiten macht erfahrungsgemäß kaum Sinn.

Voller Neugier und freudiger Erwartung, welche Abenteuer uns mit Leander erwarten würden, starteten wir also in drei Monate gemeinsame Elternzeit. Abenteuerlich war die Zeit: Leander lernte viel in den ersten Monaten, Einiges war offensichtlich und Anderes hingegen geht fast unter.
Wenige Beispiele, um nur ein paar Dinge zu nennen: mit der eigenen Verdauung und ihren Konsequenzen umgehen; die eigene Hand in den Mund schieben; einzelne Finger in den Mund nehmen; Objekte in unterschiedlichen Distanzen mit den Augen fixieren, bewegten Objekten mit den Augen folgen; Lächeln, vor Freude glucksen, weinen, schreien; auf sich aufmerksam machen, wenn ihm langweilig ist; usw.

Aber auch seine Eltern haben in den ersten Monaten eine Menge gelernt: einhändig Essen, einhändig Essen machen; einhändig aufs Klo gehen; einhändig Wäsche waschen und die Spülmaschine ein- bzw ausräumen; einhändig tippen, Tablets sind übrigens einfacher einhändig zu bedienen als Computer; Leander schreit anders, wenn er Hunger hat, als wenn er müde ist, als wenn er Langeweile hat oder Nähe braucht; wir verstehen nun, warum Eltern sich über die grundlegenden Körperfunktionen ihres Babys freuen können; Spielzeug ist nicht gleich Spielzeug; was gerade eben noch uninteressant war, kann in einer Minute schon zu heller Begeisterung führen; Menschen kommen eben doch mit weit weniger Schlaf aus – über einen kurzen Zeitraum zumindest, danach leidet unter anderem das Erinnerungsvermögen und das Sprachzentrum darunter („wann wurde Wie-heißt-er-doch-gleich zuletzt gepinkelt? … Ähhh, gewickelt? … Leander meine ich …“); nicht jedes Kind bekommt die sogenannten Dreimonatskoliken und wenn, dann sind sie nicht bei Jedem gleich stark.

Heute ist Leander über dreieinhalb Monate alt und ich bin seit zwei Wochen mit ihm allein Zuhause.
Wie es uns seit dem geht, lest ihr demnächst hier in der nächsten Folge von „Papa-Blog„.

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